Erasmus+ Zweites Treffen in Italien

Erasmus+ Second Mobility – Zweites Treffen der Erasmuspartner in Italien (Oktober 2016)

Die zwei­te Sta­ti­on des Eras­mus­pro­gram­mes ist nun Ita­li­en. In Codi­go­ro, in der Poebe­ne, wer­den wir uns eine Woche lang mit dem Men­schen­recht „ARBEIT“ auseinandersetzen.

Mon­tag, 17.10.2016
Bei den Vor­trä­gen am ers­ten Tag wur­de uns klar, wie vie­le Vor­stel­lun­gen gleich sind und wo wir uns dann doch unterscheiden.
Alle fünf Natio­nen, Ita­li­en, Polen, Spa­ni­en, Finn­land und Deutsch­land, haben ein Arbeits­recht und über­all hat jeder das Recht, sich sei­ne Arbeit frei aus­zu­su­chen. Eben­so bekom­men Arbeits­lo­se über­all staat­li­che Unter­stüt­zung. Schwan­ge­re wer­den durch den Mut­ter­schutz über­all ent­las­tet, aber Dau­er und Bezah­lung sind doch unter­schied­lich. 
Die Gewerk­schaf­ten haben dazu bei­getra­gen, dass wir alle ein Recht auf bezahl­ten Urlaub und Wei­ter­zah­lung im Krank­heits­fall haben. Auf­ge­fal­len ist hier, dass sich die Men­ge der Urlaubs­ta­ge unter­schei­det, und dass anschei­nend nur Deutsch­land Krank­heits­ta­ge für erkrank­te Kin­der zuge­steht. Jeden­falls hat kein ande­res Team davon berichtet.
Nur noch in Finn­land und bei uns darf man sich etwas dazu ver­die­nen, wenn man unter 16 Jah­re alt ist. Jugend­li­che als Baby­sit­ter gibt es in Polen eigent­lich nicht mehr.
Wie gut es uns in Deutsch­land geht wur­de uns klar, als die Arbeits­lo­sen­zah­len der Län­der vor­ge­stellt wur­den. Jeder vier­te Spa­ni­er unter 25 ist im Augen­blick arbeits­los. Wenn man mal in der Klas­se abzählt, wer alles arbeits­los wäre, trotz guter Aus­bil­dung, dann wird einem schon etwas mul­mig. 
Zwi­schen den Vor­trä­gen gab es noch einen Vor­trag von einer Ver­tre­te­rin der Orga­ni­sa­ti­on Sipro, die loka­len Fir­men und Grün­dern hilft. Man kann sich bei Ihnen sogar für bis zu 6 Jah­re ein­mie­ten, um zu tes­ten, ob der Laden lau­fen wird, im wahrs­ten Sin­ne des Wor­tes. Denn spä­tes­tens dann muss man aus die­sem Gebäu­de ausziehen.
Jedes Team muss­te auch Inter­views füh­ren und die­se bewie­sen, dass es Aus­län­der in unse­ren Län­dern schwer haben, einen guten Arbeits­platz zu fin­den. Ganz deut­lich wur­de, dass die Spra­che hier ein wesent­li­cher Fak­tor ist. Aber an unse­ren Bei­spie­len kann man auch erken­nen, dass es mög­lich ist mit Freu­de in einem ande­ren Land zu leben und zu arbeiten.
Alle Vor­trä­ge wer­den noch ver­öf­fent­licht wer­den und wer möch­te kann die­se und die Vide­os der Inter­views auf der Sei­te Humrev.org bald anschauen.
Nach die­sem lan­gen Teil mit vie­len Infor­ma­tio­nen, ging es zur berühm­ten Abtei des Gui­do de Mona­co. Zahl­rei­che, sehr gut erhal­te­ne Fres­ken aus der frü­hen Neu­zeit machen die­se mit­tel­al­ter­li­che Klos­ter­an­la­ge zu etwas Besonderem.
Kur­ze Abste­cher an den Adria­strand und an den Po run­de­ten den Tag ab.

Diens­tag, 18.10.1018
Heu­te war Pra­xis ange­sagt. Wir besuch­ten die größ­te Kon­ser­ven­fa­brik Euro­pas, hier in der Nähe von Codi­go­ro. Von Toma­ten über Boh­nen bis zu Früch­ten wird hier alles ver­ar­bei­tet und auf den Markt gebracht. Wir wur­den durch alle Betriebs­tei­le geführt und konn­ten so am eige­nem Leib erle­ben, wie laut so eine Fabrik ist und wie Ohr­schüt­zer ein Men­schen­recht sein können.
Es war inter­es­sant zu sehen, wie vie­le Men­schen und Arbeits­schrit­te von Nöten sind, bis eine Dose Toma­ten in den Ver­sand gehen kann. Wir durf­ten auch vie­le Pro­duk­te pro­bie­ren. Beson­ders gut waren die Säf­te, die man in Deutsch­land kaum erhält, wie Aprikosensaft.
Nach der Füh­rung und der Stär­kung stell­ten wir noch kri­ti­sche Fra­gen zu den Arbeits­be­din­gun­gen und erfuh­ren, dass in die­ser Fir­ma Män­ner und Frau­en für die sel­be Arbeit immer gleich bezahlt wer­den. Jedoch sahen wir kaum, dass Män­ner und Frau­en die sel­be Arbeit mach­ten – kein Mann am Sor­tier­band und kei­ne Frau auf einem Gabel­stap­ler. Sehr inter­es­sant war auch die Aus­sa­ge, dass fast die Hälf­te aller Arbei­ter Sai­son­ar­bei­ter sind. Anders als in vie­len Fabri­ken wer­den die­se aber min­des­tens 120 Tage ange­stellt, damit sie danach Arbeits­lo­sen­hil­fe gewährt bekom­men. Auch gibt es so etwas wie Vor­ver­trä­ge, eine fes­te Lis­te der Sai­son­ar­bei­ter, die nach­ein­an­der kon­tak­tiert wer­den, wenn die Arbeit wie­der mehr wird. Die­ses Sys­tem scheint für bei­de Sei­ten ein Gewinn zu sein. Die Sai­son­ar­bei­ter wür­den bestimmt noch lie­ber eine Fest­an­stel­lung haben, aber die­se Form ist akzep­tiert und hat Modellcharakter.

Etwas klei­ner war die Fabrik des Nach­mit­ta­ges. Wir fuh­ren nach Goro in eine Fisch­fa­brik. Im ers­ten Bau waren die Scha­len- und Krus­ten­tie­re zuse­hen, die in der Lagu­ne gefan­gen oder gezüch­tet wer­den. In einem zwei­ten Gebäu­de befand sich der Markt, auf dem noch fri­sche Fische und ein paar Kis­ten Muscheln an den Meist­bie­ten­den ver­kauft wur­den. Die­se Fir­ma wird als Genos­sen­schaft von etwa 40 Fischern betrie­ben. Die­ses Sys­tem scheint so gut zu funk­tio­nie­ren, dass vie­le Jugend­li­che aus dem Ort auf Schu­le und Stu­di­um zu ver­zich­ten. Vie­le Jugend­li­che ver­die­nen jung ver­gleichs­wei­se viel Geld, aber es fehlt ihnen die Aus­bil­dung, um spä­ter gut zu ver­die­nen oder Auf­stiegs­chan­cen zu haben. 
Der Tag ende­te mit einem kur­zen Stopp am Jagd­schloss eines ehe­ma­li­gen Herr­schers. Er hat­te sich die­ses beein­dru­cken­de Gebäu­de bau­en las­sen, da es eine so frucht­ba­re Gegend ist, dass alle Tie­re, die er jagen woll­te, sich gut ver­meh­ren konnten.
Spä­ter haben die Bewoh­ner die­ser Gegend noch viel Marsch­land des Pos in frucht­ba­re Äcker umge­wan­delt, die aber heu­te auch mit Gül­le besprüht wer­den, wie unse­re Nasen lei­der herausfanden.

In den Fabri­ken durf­te nicht foto­gra­fiert wer­den, des­halb zwei Fotos von den Produkten.

Mitt­woch, 19.10.2016
An die­sem Tag waren die Leh­rer und Schü­le­rIn­nen zunächst getrennt unter­wegs. Die Leh­rer waren den gan­zen Vor­mit­tag im Com­pu­ter­raum und wur­den in drei ver­schie­de­nen Com­pu­ter­pro­gram­men wei­ter­ge­bil­det. Mit sechs ver­schie­de­nen Spra­chen und Platt­for­men eine nicht immer ein­fa­che Sache. Die Schü­le­rIn­nen waren mit im Unter­richt und hat­ten einen Work­shop zum The­ma Kom­mu­ni­ka­ti­on. Zunächst den theo­re­ti­schen und vor­be­rei­ten­den Teil. Der zwei­te Teil, der dann mit einem pro­fes­sio­nel­len Foto­gra­fen durch­ge­führt wird, folgt noch. Am Ende wird ein Bild­band ste­hen, auf den wir schon sehr gespannt sind.
Am Nach­mit­tag ging es dann zu einer Lagu­ne. Auf einer Boots­fahrt wur­den uns die Fischme­tho­den von frü­her und jetzt erklärt. Unse­re Beglei­ter zeig­te eine ande­re Sicht der Din­ge auf, als der Fische­rei­be­trieb. Für ihn war klar, dass die Fisch­fang­me­tho­den auf lan­ge Sicht die Arbeits­plät­ze ver­nich­ten, da sie das Öko­sys­tem zer­stö­ren. So wird es in spä­tes­tens 10 Jah­ren kei­ne Aale mehr geben, da mit Mos­ki­to­net­zen gefischt wird und so auch die Jüngs­ten Aale gefan­gen wer­den. Da Aale sich in Gefan­gen­schaft nicht ver­meh­ren und selbst aus­ge­setz­te Jung­tie­re in der Lagu­ne ein­fach ein­ge­hen, sieht er kei­ne Chan­ce auf die Art­erhal­tung. Und damit zer­stört die Arbeit Arbeits­plät­ze. Der Mensch muss also sel­ber dafür sor­gen, dass es Arbeit gibt. Man muss lang­fris­tig denken.
Eben­so inter­es­sant waren die Geschich­ten zur Rei­se­frei­heit der Tie­re. Fin­ni­sche Eulen sind nun in der Lagu­ne auf­ge­taucht und Bar­ra­ku­das und eine süd­ame­ri­ka­ni­sche Qual­le zer­stö­ren die hei­mi­sche Fisch­welt. Der Umwelt­schutz und die Beob­ach­tung der Ver­än­de­run­gen könn­ten neue Arbeits­plät­ze gene­rie­ren, aber ob sie der Gesell­schaft viel wert sein wer­den, man also damit eine Fami­lie ernäh­ren kann, wird sich zeigen.
In einem Nach­bar­ort sahen wir dann noch eine Brü­cken­land­schaft in Com­ac­chio, die an Vene­dig erin­ner­te. Im Innen­hof die­ser Anla­ge soll sich das Leben der Fischer abge­spielt haben. Sie ver­kauf­ten ihre Waren, berei­te­ten ihr Essen zu und lie­ßen dann den Tag aus­klin­gen. Eine eige­ne Küche und ein Wohn­zim­mer war nicht von Nöten.